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Apfelessig: Hilft er wirklich beim Abnehmen?

26. März 2025

Wer an ein Trendgetränk denkt, wird vielleicht an Lillet Wild Berry, Sarti Spritz oder Aperol denken - aber Apfelessig? Nichtsdestotrotz hat sich ein Shot Apfelessig in den letzten Jahren zu einem regelrechten Trendgetränk entwickelt. Menschen nutzen den Essig im Rahmen ihrer Diät oder als Teil ihres Ernährungsplans.

Oft liest man, dass Apfelessig eine ganze Reihe positiver Effekte auf den Körper haben kann: Er soll angeblich den Stoffwechsel ankurbeln, das Hungergefühl dämpfen und sogar dabei helfen, das Körpergewicht zu reduzieren. Aber wie viel ist an diesen Behauptungen wirklich dran? Im Folgenden wird der Frage nachgegangen, ob Apfelessig tatsächlich beim Abnehmen helfen kann, wie er sinnvoll eingenommen wird und ob diese Methode für jeden geeignet ist.

Warum kann Apfelessig beim Abnehmen helfen?

Die Vermutung, dass Apfelessig beim Abnehmen unterstützen könnte, beruht auf mehreren Ansätzen. Zum einen enthält Apfelessig organische Säuren wie Essigsäure, die mögliche Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben können. Essigsäure soll dafür sorgen, dass der Körper Kohlenhydrate langsamer aufnimmt, wodurch etwa Blutzuckerspitzen reduziert und Heißhungerattacken eingedämmt werden können. Auf diese Weise setzt Apfelessig an einer bekannten Schwachstelle vieler Diäten an: dem unkontrollierten Appetit, der häufig durch einen sprunghaften Anstieg und Abfall des Blutzuckerspiegels ausgelöst wird.

Darüber hinaus kurbelt eine verbesserte Verdauung im Idealfall den Stoffwechsel an. Apfelessig enthält neben Essigsäure weitere Inhaltsstoffe wie Pektin und Spurenelemente, die eine gesunde Darmflora unterstützen und den Magen-Darm-Trakt entlasten können. Das kann wiederum dazu beitragen, dass Nährstoffe optimal aufgenommen werden, überflüssige Kalorien jedoch nicht in zu hohem Maße gespeichert werden. Ein Wundermittel ist er nicht, der Apfelessig. Doch verschiedene Erfahrungsberichte deuten darauf hin, dass er in Kombination mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung eine Gewichtskontrolle unterstützen kann.

Studie aus dem Libanon bewertet Effekt

Ein zentraler Grund, warum Menschen gegenwärtig mehr denn je zu Apfelessig greifen, liegt auch in einer Studie aus dem Libanon von Abou-Khalil, Andary und El-Hayek. Diese Untersuchung wurde 2024 veröffentlicht und sorgte in den sozialen Medien für Aufsehen. Die Forschenden wollten prüfen, ob und wie stark sich Apfelessig auf das Gewicht auswirkt. Insgesamt nahmen 120 junge Erwachsene mit Übergewicht teil. Sie wurden in vier Gruppen aufgeteilt: Drei Gruppen tranken jeden Morgen Apfelessig auf nüchternen Magen, jeweils unterschiedliche Dosierungen bis 15 Milliliter in Wasser verdünnt. Die vierte Gruppe bekam ein Placebo mit Milchsäure. Nach zwölf Wochen zeigte sich ein signifikanter Gewichtsverlust bei jenen Teilnehmenden, die den Apfelessig eingenommen hatten.

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Wie wird er eingenommen und dosiert?

Die Einnahme von Apfelessig erfolgt in der Regel verdünnt in Wasser. Das liegt daran, dass Apfelessig sehr säurehaltig ist und unverdünnt die Schleimhäute in Mund und Rachen reizen sowie den Zahnschmelz angreifen kann. Üblich ist eine Dosierung von ein bis zwei Esslöffeln pro Glas Wasser. Manche starten mit geringeren Mengen, beispielsweise einem Teelöffel, und tasten sich langsam heran, damit keine Magenbeschwerden auftreten.

Ob man den Apfelessig eher vor der Hauptmahlzeit oder auf nüchternen Magen zu sich nimmt, ist unterschiedlich. Viele greifen auf den Zeitpunkt direkt am Morgen zurück, andere konsumieren Apfelessig kurz vor dem Mittag- oder Abendessen. Für die Dosierung spielen auch persönliche Vorlieben und die individuelle Verträglichkeit eine Rolle. Eine goldene Regel gibt es nicht, doch in der libanesischen Studie wurde Apfelessig ausdrücklich vor dem Frühstück eingenommen, was offenbar zu positiven Ergebnissen geführt hat.

Ist Apfelessig für jeden Menschen gefahrlos zu nehmen?

Auch wenn er viele positive Effekte geben kann, ist Apfelessig nicht für alle Menschen gleichermaßen geeignet. Wer empfindliche Schleimhäute, akute Magenbeschwerden oder Probleme mit der Speiseröhre hat, sollte vorsichtig sein und die Einnahme besser zuerst mit einer Fachkraft oder noch besser einem Arzt besprechen. Denn der hohe Säuregehalt kann bei empfindlichen Personen zu Sodbrennen oder anderen Verdauungsbeschwerden führen. Ebenso sollten Menschen mit chronischen Erkrankungen, insbesondere im Bereich des Magen-Darm-Trakts, zunächst ärztlichen Rat einholen, bevor sie Apfelessig als Abnehmunterstützung einsetzen.

Ferner ist es wichtig, auf die Qualität des Apfelessigs zu achten. Empfehlenswert ist ein naturtrüber und unbehandelter Apfelessig, der noch die sogenannte “Mutter” enthält – eine Ansammlung guter Bakterien und Enzyme. Dieser ist im Vergleich zu pasteurisiertem Essig oft nährstoffreicher. Dennoch sollte man stets bedenken, dass Apfelessig auf keinen Fall eine ausgewogene Ernährung ersetzen kann. Er kann bestenfalls im Rahmen eines gesunden Lebensstils in Kombination mit anderen gesundheitsförderlichen Maßnahmen wirksam sein.

Welche Rolle spielen Nahrungsergänzungsmittel, die auf den Essig-Effekt setzen?

Neben dem reinen Konsum von Apfelessig in verdünnter Form gibt es mittlerweile zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, die auf den angeblichen Abnehmeffekt durch Essigsäure setzen. In Kapselform oder als Gummibärchen wird hier versucht, denselben Vorteil zu bieten, ohne dass die eher strenge Essignote ertragen werden muss. Allerdings sind diese Präparate häufig teurer als herkömmlicher Apfelessig in der Flasche. Zudem ist nicht immer klar, ob sie tatsächlich dieselben Inhaltsstoffe aufweisen wie ein naturbelassener Essig. Auch weitere Zusätze wie Zucker oder andere Füllstoffe können in solchen Produkten enthalten sein, was den Effekt auf das Körpergewicht möglicherweise wieder abschwächen kann.

Wer Apfelessig dennoch ausprobieren möchte, sollte zunächst versuchen, einen hochwertigen Essig zu erwerben und diesen korrekt zu verdünnen. Auch sollte man die erwarteten Ergebnisse realistisch halten, denn eine automatische Wunderwirkung darf beim gesunden Trendgetränk nicht erwartet werden.

 

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